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Kleinbunker in Feuerbach aufgestellt

 

Am Samstag, den 14. Juli 2012, hat der Verein Schutzbauten ein Bauwerk dieser Art in Stuttgart-Sonnenberg bergen können. Er wurde nach Stuttgart-Feuerbach neben denTiefbunker am Bahnhof transportiert und dort für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Luftschutzrundbunker System Stuttgart

Der für den Stuttgarter Luftschutz zuständige Baudirektor Scheuerle regte den Bau von einem Kleinbunker an, der für Gebäude, die über keinen ausreichenden Luftschutzkeller verfügten und für die keine größere Bunkeranlage in der Nähe zur Verfügung stand, erstellt werden sollte.
Der Luftschutzrundbunker wurde durch einen Bediensteten des städtischen Tiefbauamtes Stuttgart 1942 konstruiert und im November 1943 zum Patent angemeldet.  Zu Testzwecken wurden 3 Bunker auf dem Gelände des Burgholzhofes im Januar 1944 erstellt und die Widerstandsfähigkeit mittels Sprengversuchen mit Hilfe des Forschungsinstituts Graf Zeppelin getestet. Dazu wurden je eine Bombe vom Typ SC 500 aus deutschen Beständen 3 m tief eingegraben. Der Abstand betrug zwischen 5,65 m und 6 m zur Bunkermitte. Der Test verlief äußerst erfolgreich und es wurde der Bau dieser Bauwerke ab diesem Zeitpunkt freigegeben.
Oberbürgermeister Strölin verkündete während einer Ratsherrensitzung am 10. August 1944 anlässlich einer Debatte über die Luftangriffe  vom 25., 26., 28. und 29. Juli 1944 über die Stuttgarter Luftschutzmaßnahmen:"Die Luftschutzrundbauten System Stuttgart, haben sich nach vorläufigen Feststellungen bei den bisherigen Angriffen bewährt. Bei einigen Bauten in Möhringen und Degerloch konnten Nahtreffer festgestellt werden, die den Bauwerken nicht geschadet haben. In Degerloch in der Möhringer Straße wurden allerdings ein Luftschutzrundbau etwa 40 m weit geschleudert und ist beim Aufprall gebrochen. Zum Glück war er nicht besetzt. Offenbar ist in diesem Fall eine Bombe in das Erdreich  unter das Bauwerk eingedrungen und dort explodiert."
Es existieren heute noch einige dieser Kleinbunker die hauptsächlich in den südlichen und östlichen Vororten gebaut wurden. In Sillenbuch sollen  32 dieser  Rundbunker gebaut worden sein. Nach dem Krieg wurden diese meist als Wasserzisterne oder Abfallgrube für Gartenabfälle genutzt oder einfach mit Erdreich überschüttet. Auf ein Ausgraben wurde in der Regel verzichtet. Mit dem Überdecken sind sie in Vergessenheit geraten. Nur bei Umbauten tauchen diese Bunker durch Zufall wieder auf und werden dann mit hohem Kostenaufwand entsorgt.
Es hat auch ausserhalb von Stuttgart Bunker nach dieser Bauart gegeben. Der langjährige Echterdinger Gemeinderat Haug hat bei Ausschachtungsarbeiten für einen Neubau solch einen Bunker ausgegraben und viele Jahre auf dem Echterdinger Bauhof lagern lassen. Wie dieser allerdings dort gebaut werden konnte ist nicht geklärt.

Diese Machart von Bunkern wurde unter dem Begriff "Stuttgarter Rundbunker" zum Patent angemeldet. Die innovative Idee dieses Bunkers war die Taillie des Bauwerkes. Am Boden und am Oberteil des Bunkers gab es jeweils eine Verdickung. Bevor der Bunker wieder ringsherum mit Erde angefüllt wurde brachte man Bretter an. So entstand zwischen den Erdreich und dem Bunker ein Hohlraum. Dieser mit Luft gefüllte Hohlraum erzeugte bei einer nahen Detonation  einer Bombe einen Dämpfungseffkt.
Dadurch konnte man das Bauwerk mit weniger Beton herstellen. Der Aufwand betrug 0,25 m³ Beton sowie 5,5 kg Stahl pro Person. Die Wandstärke betrug an der Taille nur 7 cm. Der Innendurchmesser des Bunkers beträgt 1,7 m. Die lichte Weite, gemessen ab Sitzbank, 1,05 m. Am Boden befindet sich ein Abfluss. Die 15 cm starken Beton- Öffnungsklappen waren mit Scharnieren befestigt, die bei einer Belegung verschlossen werden konnten. Der Einstieg geschah über eine Holzleiter. Die Sitze waren ins Fundament integriert und wurden mit Holz belegt. Die Belüftung erfolgte über ein Rohr, das außerhalb des Bunkers unterhalb der Sitzbank hereingeführt wird. Die Verschalungen für den Bau des Bunkers wurden jeweils in Segmenten an den Bauort gebracht und konnten immer wieder weiterverwendet werden. Auch die Innenverschalung wurde in Teilsegmenten hergestellt, so dass sie durch die Einstiegsöffnung passten. Die Bewehrung wurde außerhalb der Schalung geflochten und vor dem Betonieren in die Schalung gestellt.

Dieser Bunkertyp sollte an solchen Stellen für Schutz sorgen, an denen es keine Bunker- und Stollenanlagen gab. Dies waren häufig einzeln liegende Gebäude oder Bereiche in der es topografisch schwierig war, einen Stollen zu graben und es auch sonst keine öffentlichen Bunkeranlagen gab. Insgesamt waren in ganz Stuttgart  580 geplant. In einer ersten Bauphase sollten ab Juni 1944 in Degerloch, Möhringen, Sillenbuch Vaihingen und Hoffeld dieser Bautyp erstellt werden. Insgesamt sollen ca. 250 dieses Bunker-Types gebaut worden sein.
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