Kontakt  |  Impressum  |     Suchen
 
Kinderlandverschickung

 Am 27. September 1940 ordnete Adolf Hitler die Verschickung von Kindern aus den luftkriegsgefährdeten Städten des Deutschen Reiches auf das Land an.Diese Maßnahme zählte ebenso wie der Bunkerbau zum Luftschutz.  Während des Zweiten Weltkrieges wurden etwa drei Millionen Kinder durch die Reichsdienststelle KLV zum Schutz vor den Luftangriffen aufs Land verschickt. Diese Maßnahme war ein Teil des Luftschutzes, waren die Kinder doch das größte Kapital für die Nationalsozialisten, das man für einen nationalsozialistischen Staat formen konnte. Außerdem war für diesen Personenkreis keine Luftschutzmöglichkeiten in den Städten zu schaffen und die Mütter standen für die Rüstungsindustrie zur Verfügung. Verantwortlich für die Verschickung der Kinder war Reichsleiter Baldur von Schirach, der nach dem Besuch eines Lagers die Eltern im Rundfunk über die Verpflegung ihrer Kinder unterrichtete: "Das Vollkornbrot hat wieder seinen Einzug gehalten. Fleisch wird reichlich gereicht. Ja selbst auch Süßigkeiten hatte man, wie ich mich überzeugt habe, nicht vergessen. Der Gesundheitszustand aller Kinder ist im Durchschnitt ausgezeichnet und erfüllt uns mit großer Befriedigung."Trotzdem behielten viele Eltern ihre Kinder bei sich in den Großstädten, einige Eltern holten ihre Kinder sogar zurück. Sehr zum Missfallen von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: "Der feindliche Luftterror ist unberechenbar. Und die Eltern, die sich aus Kurzsichtigkeit dazu verleiten lassen, ihre Kinder aus den Umquartierungsgauen zurückzuholen, in der Meinung, es werde schon nicht so schlimm werden, da es ja bis heute gut gegangen sei, übernehmen damit eine sehr schwere Verantwortung."
Am 26.10.1943 begann die Kinderlandverschickung in Stuttgart, aufgrund einer Anweisung von Gauleiter Murr. Die Kinder mußten sich am Hauptbahnhof einfinden. In ein KLV-Lager sollten nur Kinder aufgenommen werden, die nicht an Infektionskrankheiten litten. Epileptiker, chronische Bettnässer und „schwer erziehbare asoziale Jugendliche“ wurden zurückgewiesen.  Die Schulkinder bis zu zehn Jahren sollen in Familien kommen, für die über zehn Jahre waren Lager vorgesehen. Über 40.000 verließen Stuttgart.  Da viele Eltern eine Verschickung nicht wünschten, stiegen auch in Stuttgart die Anzahl der Kinder die Bettnässer nach den Angaben ihrer Eltern waren. Oberbürgermeister Strölin persönlich kümmerte sich für die Stuttgarter Kinder für deren ausreichende Unterbringung.  Er besuchte im Dezember 1943 einen Teil der evakuierten Kinder in Calw6. Ab Januar 1944 verfasste er regelmäßig Briefe an die Kinder. Darin berichtete er über die Vorkommnisse in der Stadt und ermahnte sie zu Gehorsam gegenüber ihren Pflegeeltern und Lehrern.
Die Verlagerung der Kinder bröckelte ab Mitte 1944 immer weiter ab, da die Eltern ihre Kinder wieder bei sich haben wollten. Schule gab es zu diesem Zeitpunkt keine mehr und viele poltisch Verantwortlichen äusserten ihre Befürchtungen, dass eine Generation von Analphabeten heranwächst.



Werbeplakat  das die Kinderlandverschickung unterstützen soll
 


Das Gepäck der Kinder am Zielort wird entladen