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Scheinanlage Weilimdorf


 Ab 1943 wurde in Weilimdorf eine Scheinanlage hinter dem Fasanengarten aufgebaut. Dazu wurde eine Einheit aus Böblingen nach Gerlingen beordert. Die Anlage sollte die Flugzeuge dazu verleiten, die Bomben früher auszuklinken und somit auf das freie Feld abzuwerfen. Damit sollten Bomben von bebautem Stuttgarter Gebiet fern gehalten werden. Dazu wurden vier Stellungen errichtet:
Weststellung im Gewann „Aispach“
Nordstellung im Gewann „ Im Hausen“ hinter  der damaligen Schweinemästerei
Oststellung  nördlich des Fasanengartens (heute Sportplatz)
Südstellung  im Gewann "Gänsewiese", am Waldrand, die Hauptstellung von der alle Stellungen überblickt werden konnten.
Dazu gab es einen Bunker mit einem aufgesetzten Beobachtungsstand aus dem man aus Sehschlitzen nach allen Seiten das Szenario überblicken konnte. In diesen Bunker waren auch die Kommunikationsanlagen über die die Anweisungen kamen, untergebracht. Die Leitungen dafür, dürften vom Bergheimer Hof herangeführt worden sein.
Wenn nun ein Pfadfinderflugzeug eine rote Markierung über dem westlichen Stuttgart abwarf, wurde auch an der Weststellung eine rote Kaskade in den Himmel geschossen. Diese kam aus 2500 Metern Höhe an einem Fallschirm langsam zum Boden zurück und hatte das gleiche Aussehen, wie das vom Pfadfinder abgesetzte Leuchtsignal. So wurde auch an den anderen Stellungen verfahren. Damit hatten die folgende Bomberflotte zwei Zielgebiete, wo sie ihre Bomben abwerfen konnten. Um es noch realistischer zu machen wurden auf Betonpyramiden gewellte Eisenroste in einer Größe von ca. 1 x 2,5 Meter montiert und aneinander gereiht, auf denen geteertes Holz mit zu Hilfenahme von Benzin entzündet wurden. Dies sollte von Brandbomben getroffene Gebäude simulieren und zu weiteren Bombenabwürfe in dieses Zielgebiet anregen.
Durch solche Täuschungsmanöver gelang es wiederholt angreifende Bomber in die Irre zu führen. Der schlimmste Angriff den Weilimdorf auf Grund dieser Scheinanlage über sich ergehen lassen musste, war der 24. Januar 1945.

Der Kommandobunker, heute auf einem Privatgrundstück, stand bis in die 70er Jahre unversehrt. An Sivester wurde in die Sehschlitze immer wieder Knallkörper hineingeworfen. Bewohner meldeten den Behörden, dass hier eine Gefahr ausgehen könnte, weil eventuell sich noch Munition darin befindet. Der Beobachtungsteil des Bunkers, ca. 2,5 x 2, 5 Meter groß, wurde daraufhin beseitigt. Der untere Teil des Bunkers mit seiner Größe von 12 x 3 Metern schaut heute noch teilweise aus dem Erdreich heraus. Der seitliche Eingang ist heute zugeschüttet.

Das Erdreich an den Brandplätzen war nach dem Krieg total ausgebrannt und musste von den Landwirten ausgetauscht werden. Die Betonpyramiden wurden von diesen beseitigt und teilweise für Neubauten verwendet. So mancher Gitterrost dient auch heute noch in den vielen Kleingärten als Gartenzaun. Die zahlreichen Bombentrichter in diesem Gelände wurden zuerst mit Trümmerschutt und anschließend mit einer Erdschicht wieder zugefüllt. Bei vielen älteren Weilimdorfern gilt die Scheinanlage als Nachbau und Scheinanlage des Stuttgarter Hauptbahnhofs. Dies war aber nicht der Fall.