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Schon Kinder wurden auf den Luftschutz mit Webemaßnahmen herangeführt. In Apothken gab es Sammelbilder mit kindgerechten Motiven, die in einem Sammelbuch eingeklebt werden konnten

Bastelbogen wie ein korrekter Luftschutzkeller aussehen soll

Pädagogische Vorbereitung für den Luftschutz

Nach ihrer Machtübernahme 1933 begannen die Nationalsozialisten die Bevölkerung systematisch auf einen Krieg vorzubereiten. Ein wichtiges Aktionsfeld ihrer Propaganda war die Schule. Um den »Wehrwillen« der Kinder und Jugendlichen zu stärken, wurden die Gefahren des erwarteten Luft- und Giftgaskriegs in allen Fächern thematisiert. Die Luftschutzthematik eignete sich bestens, um einen lebensnahen, anschaulichen, alle Fächer vernetzenden Unterricht zu gestalten. Besonders große Bedeutung für den Luftschutz- unterricht hatten die Fächer Physik und Chemie. Im Rahmen der Wärmelehre wurden im Physikunterricht der Verbrennungsprozess sowie das Löschen von Bränden thematisiert und Grundregeln der Brandbekämpfung vermittelt. Der Chemie- und Physiklehrer Wilhelm Fröhlich, hat für den Franck-Kosmos Verlag in Stuttgart zahlreiche Experimentierkästen für den Luftschutz dazu entwickelt, und unter anderem auch einen über Flugphysik. Textaufgaben über die passende Dimensionierung von Luftschutzräumen dienten nicht nur dem Zweck, die Schüler in die Berechnung des Volumens dreidimensionaler Körper einzuführen, sondern verdeutlichten zugleich Probleme des baulichen Luftschutzes. Im Biologieunterricht wurden die Erste Hilfe-Maßnahmen besprochen und die verschiedenen Methoden der künstlichen Beatmung. Der Luftschutz fand auch im Kunstunterricht seinen Niederschlag, in dem man den eigenen Luftschutzkeller malen "durfte".

Um auch die Kinder auf einen kommenden Luftkrieg vorzubereiten, kamen nach 1935 viele eigens für diese Zielgruppe konzipierte Propagandamittel auf den Markt. Lieder, Texthefte für Theater- und Sprechchorvorführungen, sowie Bilderbücher mit bezeichnenden Titeln wie „Rolf Mutig übt Luftschutz“ von Maria Wrublick, (1936) gewöhnten die Jugendlichen schon in Friedenszeiten an die Vorstellung eines Luftkriegs. Über verschiedene Medien wurde ihnen vermittelt, welche Gefahren drohten und welche Abwehrmittel (Löschsand, Feuerpatsche, Wasserspritze, Gasmaske, Luftschutzkeller) im Ernstfall einzusetzen waren. Beim Spielen von Gesellschaftsspielen lernten sie nebenbei, dass die Dachböden zur Minimierung der Brandgefahr entrümpelt oder bei Fliegeralarm unverzüglich der Luftschutzraum aufgesucht werden musste. Pädagogisch besonders wirkungsvoll waren Brettspiele wie „Luftschutz tut not!“, „Marsch in den Luftschutzraum“ oder „Das Adler Luftverteidigungsspiel“. Die Spielfiguren waren einfache Holzsteine, die manchmal als Bombe gestaltet waren; gelegentlich stellten sie auch stilisierte, für Luftschutzaufgaben wichtige Personen dar, wie Krankenschwestern oder Polizisten. Im Spielzeughandel gab es zudem diverse Bastel- und Ausschneidebögen zu Luftschutzthemen; die Apotheken verschenkten Luftschutzbildchen, die die Kinder in einem Album sammeln konnten. Jugendbücher animierten vor allem die Jungen zu heldenhaftem Verhalten, wie der Roman „Lost wird Luftschutzhauswart“ von Georg Erich Griesbach. (Anton Verlag Leipzig, 1934)


... Geschichte des Luftschutzes
Brettspiele









Adler Luftverteidigungsspiel

Jugendbuch